Ein kurzer geschichtlicher Abriss

 

Der älteste Stadtplan von Berlin stammt aus dem Jahr 1652. Er wurde von dem Festungsbaumeister und Ingenieur Johann Gregor Memhardt entworfen und erschien in Martin Zeillers Topographie von Brandenburg. Der Plan zeigt sehr schematisch noch das mittelalterliche Stadtbild mit Stadtmauer und Doppelgraben. 1658, also wenige Jahre nach nach Erscheinen dieses Plans, begann unter der Leitung Memhards der Bau einer sternförmigen Festungsanlage nach niederländischem System. Der Plan von La Vigne aus dem Jahr 1685 zeigt Berlin schon mit dem 1683 abgeschlossenen Festungswerk. Die in den Folgejahren erschienenen Pläne können allesamt als Festungspläne bezeichnet werden. Die Kartierung der Stadt beruhte also vornehmlich auf militärischen Interessen. Orientierungshilfen für Einwohner und Besucher waren die Stadtpläne nicht und sollten es auch nicht sein. Im Gegenteil: Friedrich der Große lehnte die Veröffentlichung von Karten größerer Gebiete strikt ab, weil sie nicht einem potentiellen Feind in die Hände fallen sollten.

Der 1723 und noch einmal aktualisiert 1737 erschienene sogenannte Dusableau-Plan zeigt Berlin als königliche Residenzstadt. Der Plan legt optisch immer noch großes Gewicht auf die Befestigungswerke, weist in einem recht umfanfreichen Verzeichnis aber auch Straßen, Kirchen, Tore und Brücken nach. Dieser Plan bildete die Grundlage für eine Reihe weiterer, wie zum Beispiel die sogenannten Waltherschen Pläne oder die Schleuen Pläne, deren Thema eher die prosperierende Stadt unter der glücklichen Regentschaft des Königs, die magifiquen Gebäude und Kirchen und ein Überblick über die prächtige Residenzstadt waren. In der Regel waren diese Pläne am Rand mit Ansichten bedeutender Gebäude und mit Veduten der Stadt versehen. Das dekorative Element stand hier deutlich im Vordergrund. Weitere "Abkömmlinge" von Dusableau und Walther wurden von Homann, Seutter und Lotter herausgegeben.

Unter der Regentschaft Friedrichs des Großen wurde 1748 der "Schmettau-Plan" fertiggestellt. Im Auftrag des Königs wurde die Stadt unter Leitung des Feldmarschalls Samuel Reichsgraf v. Schmettau neu vermessen und der Plan auf vier Platten in Kupfer gestochen. Wegen des großen Maßstabs, der Plan misst im Ganzen 117 auf 166 cm, konnten auf eine Legende verzichtet und über 400 Objekte direkt im Plan beschriftet werden. Dieser Plan ist zuverlässiger und genauer als alle zuvor erschienenen und dokumentiert den Zustand der Stadt im Jahr 1748. Wie nicht anders zu erwarten, bildete auch der "Schmettau" bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Grundlage für eine Reihe von verkleinerten Kopien. Hierzu zählen Pläne von J. C, Rhode, de la Grive, J. Stockdale, D. F. Sotzmann und K. L. v. Oesfeld. In seinem 1757 erschienenen vierten großen Plan nimmt Schleuen in der Titelkartusche ausdrücklich auf Schmettau Bezug: "Nach dem Plan des Weil: Königl. Feld=Zeugmeisters, Herrn v. Schmettau, aufs accurateste in diesem bequemen Format gebracht, die seitdem geschehenen Veränderungen aufs fleissigste angemercket, u. mit den Prospecten der vornehmsten Gebäuden ausgezieret."

Berlin und die nähere Umgebung zeigen dann die Pläne von Schneider aus den Jahren 1798 und 1802. Der Plan von 1802 war wegen seiner Genauigkeit und guten Lesbarkeit lange Jahre auch Planungsgrundlage für Behörden.

Der Grundriss von Berlin von J. C. Selter aus dem Jahr 1804 verzichtet auf Dekorationen und stellt die Stadt in einem präzisen und ästhetisch ansprechenden Kartenbild dar. Sogar Hausnummern und Grundstücksgrenzen sind verzeichnet. Das bei Werk war die Grundlage für eine rund 50 Jahre währende Serie.

Mehrere Faktoren bewirkten seit dem Anfang des 19ten Jahrhunderts einen stetigen Zuwachs und eine zunehmende Verfügbarkeit von Stadtplänen. Auf der einen Seite stieg der Bedarf nach Orientierung und Übersicht über die Stadt an. Infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Ende der Befreiungskriege und infolge der beginnenden Industrialisierung wuchsen Stadtbevölkerung und Stadtgebiet. Die Stadt wurde unübersichtlicher und eine Abhilfe war ein Plan, der eine zusammenhängende Draufsicht auf die Stadt bot. Auf der anderen Seite machten neue, preiswertere Druckverfahren dem teuren Kupferstich Konkurrenz. Alois Senefelder entwickelte Ende des 18ten Jahrhunderts die Lithografie. Anfang des 19ten Jahrhunderts war das Verfahren so ausgereift, dass dem Preußischen Generalstab im Jahr 1817 ein Königlich Preussisches Lithographisches Institut angeschlossen wurde.

In diesem Institut wurde der Plan von "Berlin und Charlottenburg mit nächster Umgebung" gedruckt, der von der "topographischen Abtheilung des Königl. Preuss. Grossen Generalstabs" aufgenommen und herausgegeben wurde.

Ab der Mitte des 19ten Jahrhunderts entwickelte sich, mit den neuen Reisemöglichkeiten durch die Bahn, ein Stadtplanangebot für Fremde, die die Stadt besuchten. Neben diesen eher kleinformatigen Plänen erschienen weiterhin große Blätter, zum Beispiel in der Schroppschen Landkartenhandlung oder im Verlag Dietrich Reimer, die auch Planungs- und Verwaltungszwecken dienten. Der Hobrechtsche Bebauungsplan von 1862 erschien in beiden Verlagen als Übersicht.

...wird fortgesetzt