Stadtpläne spiegeln Kultur- und Wirtschaftsgeschichte

Der Vitalis - Verlag hat in den 1950er und 1960er Jahren ein umfangreiches Angebot von Werbeplänen herausgebracht. Mir liegen Pläne von 1952 bis 1966 vor. Ich habe diese Pläne mit Vorder- und Rückseite gescannt, um Ihnen auch die vollständige Werbung darauf zeigen zu können. Sie finden die Pläne, indem Sie unter dem Menupunkt "Karten" den Suchbegriff "Vitalis Verlag" in das Suchfeld "Personen, Verlage" eingeben.

Der Vitalis-Verlag beschrieb sein Angebot auf dem Stadtplan zur Deutschen Industrieausstellung 1952 so: " Herstellung von Organisationskarten aller Art für Industrie, Handel und Handwerk / Stadtpläne und Bezirkskarten aller Großstädte im Bundesgebiet und Berlin / Sonderanfertigungen von Spezial- und Werbeplänen für jeden Zweck, Werbe-Kartographie". In der Berliner Stadtplansammlung befinden sich mehrere Pläne zur Deutschen Industrie Ausstellung in Berlin (1952, 1955 und 1966), zur Grünen Woche (1953) und einige Bezirkskarten. Der jüngste Plan in der Sammlung stammt von 1966. Vermutlich hat der Verlag seine Tätigkeit bereits vor langer Zeit eingestellt, jedenfalls konnte ich bisher keine Pläne nach 1966 finden.

Die Werbepläne des Vitalis-Verlags zeichnen sich nicht durch besondere kartografische Genauigkeit oder Übersichtlichkeit aus. Das war wohl auch nicht das Ziel. Der Informationsgehalt ergibt sich vielmehr aus den Werbeanzeigen auf dem Kartenrahmen und der Rückseite, die an Zeiten erinnern, in denen noch Einzelhandel, spezialisierte Fachgeschäfte und örtliche Handwerksbetriebe das Wirtschaftsgeschehen prägten. Die Bezirkspläne können sicher Erinnerungen an Firmen, aber auch an Produkte wecken, die längst verschwunden, aber noch im Gedächtnis sind. Insgesamt bieten die Pläne amüsante Einblicke in die Berliner Wirtschaftsgeschichte.

Interessant ist auch ein Vergleich der Pläne zur Deutschen Industrie Ausstellung von 1952, 1955 und 1966. Die Werbung 1952 erinnert noch an ein Brachenverzeichnis, wie die "Gelben Seiten" und beschränkt sich auf Firmenwerbung. Auf dem Plan von 1955 werden dem Ausstellungsbesucher immerhin schon Hinweise auf gastronomische und kulturelle Angebote gegeben. Die Werbung auf dem Plan von 1966 wirkt mit "Club 007", "Babalu-Bar" und "Striptease Paradox" eher wie der Mittelteil mancher Boulevardzeitungen. An den Plänen lässt sich ablesen, dass sich das Informationsbedürfnis der Messebesucher (oder auch die Angebotsvielfalt) deutlich verändert haben. Allerdings enthielten auch Stadtpläne aus den 1930er  Jahren umfangreiche Werbung für das damalige Berliner Nachtleben.

Landkarten und Stadtpläne seien ein

Abbild der Wirklichkeit,

so eine verbreitete Ansicht. Schon aus mathematischen, geometrischen und technischen Gründen trifft diese Aussage nur bedingt zu. Per definitionem sind Karten ein eingeebnetes, verkleinertes und generalisiertes, mit Beschreibungen und Zeichen versehenes Abbild der Erdoberfläche oder anderer Himmelskörper. Außerdem zeigen sie aber auch nur,

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